Analyse Herausforderungen UHNWI 2025 in der Schweiz

Status: Analyse struktureller Risiken

Im Herbst 2025 zeigt sich ein Paradoxon: Die Vermögenswerte sind intakt, doch die Systeme, die sie tragen, stehen unter Spannung. Es geht nicht um Zahlen, sondern um die Stabilität der Familien- und Firmenkonstrukte in einem volatilen Umfeld. Wer genau hinsieht, erkennt drei fundamentale Verschiebungen, die sich mit klassischen Mitteln nicht korrigieren lassen.

Skyline Banken

1. Die Bruchstelle in der Nachfolge

Die Übergabe an die nächste Generation stockt vielerorts nicht an steuerlichen Hürden, sondern an fehlender Resonanz. Wenn die Lebensrealitäten der Übergeber und der Nachfolger keine gemeinsame Schnittmenge mehr haben, wird das Vermögen vom Bindemittel zum Trennungsgrund. Wir sehen hier keinen technischen, sondern einen kulturellen Konflikt, der die Handlungsfähigkeit lähmt.

2. Das Risiko der Unsichtbarkeit

Der Rückzug in die Diskretion war lange der beste Schutz. Heute wird er zum Risiko. Wer sich zu stark abschottet, kappt die notwendigen Rückkopplungen zur Außenwelt. Man verliert das Gespür für gesellschaftliche Stimmungen. Wer die Realität nicht mehr wahrnimmt, kann auf sie nicht adäquat reagieren. Die vermeintliche Sicherheit wird zur Blindheit.

3. Die Grenzen der Machbarkeit

Die Komplexität der aktuellen Weltlage lässt sich nicht mehr zentral steuern. Das gewohnte Prinzip „Befehl und Kontrolle“ versagt dort, wo agile Anpassung nötig wäre. Das Festhalten an alten Hierarchien erzeugt in der aktuellen Dichte der Ereignisse keine Ordnung mehr, sondern Fehleranfälligkeit.

Fazit: Die Herausforderung liegt nicht in der Akkumulation von mehr Kapital, sondern in der Wiederherstellung der internen Ordnung und der externen Anbindung. Es bedarf keiner neuen Finanzprodukte, sondern einer systemischen Klärung.

Psychologische und soziale Probleme von UHNWIs: Ein Überblick

Ultra-High-Net-Worth Individuals (UHNWIs) sind trotz materieller Unabhängigkeit mit spezifischen psychologischen und sozialen Herausforderungen konfrontiert. Diese betreffen vor allem Identität, soziale Beziehungen, Privatsphäre, Statusdarstellung und familiäre Dynamiken.

Psychologische Herausforderungen

  • Leistungsdruck und Identitätsfragen: UHNWIs und ihre Familien, insbesondere Kinder, erleben häufig hohen Leistungsdruck und das Gefühl, Erwartungen erfüllen zu müssen. Dies kann zu Stress und mit Stress vergesellschafteten gesundheitlichen Dynamiken führen. Der gesellschaftliche Druck, immer erfolgreich zu sein, verstärkt diese Thematik (Luthar, 2003).
  • Isolation und Einsamkeit: Trotz zahlreicher sozialer Kontakte berichten viele UHNWIs von sozialer Isolation. Die Unsicherheit, ob Beziehungen aufrichtig oder durch das Vermögen motiviert sind, erschwert vertrauensvolle Bindungen (Mrad et al., 2022; Luthar, 2003).
  • Selbstwert und Kontrolle: Die Verwaltung großen Vermögens kann zu Unsicherheiten bezüglich Selbstwert und Kontrolle führen. UHNWIs suchen oft nach Sinn und sozialer Wirkung, was zu inneren Konflikten führen kann (Li-Huang, 2017; Mrad et al., 2022).

Soziale Herausforderungen und Statusdarstellung

  • Selbstdarstellung und Privatsphäre: UHNWIs stehen im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Privatsphäre und der Notwendigkeit, Status zu zeigen. Auf Social Media wie Instagram zeigen sie Luxus oft subtil, bevorzugen aber exklusive Erlebnisse statt offensichtlicher Statussymbole. Es gibt verschiedene Strategien: von ostentativ bis zurückhaltend, von offen bis verborgen (Michaelidou et al., 2021; Mrad et al., 2022).
  • Soziale Abgrenzung: UHNWIs erleben eine starke Abgrenzung, selbst gegenüber anderen Vermögenden. Exklusive Luxus-Erlebnisse dienen oft der Distinktion, können aber auch zu sozialer Entfremdung führen (Mrad et al., 2022).

Familiäre und intergenerationale Aspekte

  • Druck auf Kinder: Kinder aus sehr wohlhabenden Familien können sich als besonders anfällig zeigen für psychische Probleme wie Angst, Depression und Substanzmissbrauch, oft ausgelöst durch Leistungsdruck und emotionale Distanz zu den Eltern (Luthar, 2003).
  • Familiendynamik: Die Vermischung von Familien- und Finanzstrukturen kann zu Konflikten und Unsicherheiten führen, insbesondere bei der Nachfolgeplanung (Santos, 2021).

Forschungslücken und Trends

  • 2003
    • 1 paper: (Luthar, 2003)- 2016
    • 1 paper: (De Smet et al., 2016)- 2017
    • 1 paper: (Li-Huang, 2017)- 2018
    • 1 paper: (Jewett et al., 2018)- 2019
    • 3 papers: (Oesterkloeft, 2019; Rojeck, 2019; Ng & Shanks, 2020)- 2020
    • 3 papers: (Lang, 2020; Leban et al., 2020; Kämpfen et al., 2020)- 2021
    • 5 papers: (Michaelidou et al., 2021; Santos, 2021; Lee & Allen, 2021; Haslam et al., 2021; De Groot et al., 2021)- 2022
    • 2 papers: (Mrad et al., 2022; Oram et al., 2022)- 2023
    • 1 paper: (Bierman et al., 2023)- 2025
    • 2 papers: (Bulczak, 2025; Nasir et al., 2025)Figure 1: Forschung zu psychologischen und sozialen Problemen von UHNWIs im Zeitverlauf. Größere Marker zeigen einflussreichere Arbeiten.
ThemaWichtige Erkenntnisse & Quellen
Selbstdarstellung & Social MediaSubtile Statusinszenierung, Privatsphäre (Michaelidou et al., 2021)
Psychische Belastungen KinderLeistungsdruck, Isolation, Sucht (Luthar, 2003)
Soziale AbgrenzungExklusive Erlebnisse, Distinktion (Mrad et al., 2022)
Identität & SinnsucheWunsch nach Wirkung, Unsicherheit (Li-Huang, 2017; Mrad et al., 2022)

Figure 2: Schlüsselthemen und zugehörige Studien im Überblick.

Fazit

UHNWIs sind mit einzigartigen psychologischen und sozialen Herausforderungen konfrontiert. Diese reichen von Identitätsfragen über soziale Isolation bis hin zu familiären Belastungen. Bei allem äußeren Erfolg steht das Bedürfnis nach Sinn, Zugehörigkeit und authentischen Beziehungen für viele an erster Stelle.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Michaelidou, N., Christodoulides, G., & Presi, C. (2021). Ultra-high-net-worth individuals: self-presentation and luxury consumption on Instagram. European Journal of Marketing.

Li-Huang, R. (2017). Chapter 10: The Psychology of High Net Worth Individuals. **.

Oesterkloeft, H. (2019). Advising high net worth families. **.

Bulczak, G. (2025). Intragenerational Household Net Worth Mobility and Mental Health Outcomes in the United States. Social Science Quarterly.

Santos, M. (2021). High net-worth attachments: emotional labour, relational work, and financial subjectivities in private wealth management. Journal of Cultural Economy, 14, 750 – 764.

Lee, J., & Allen, J. (2021). Net worth and Mental Health Problems. Journal of Biomedical Research & Environmental Sciences.

Mrad, M., Karimi, S., Tóth, Z., & Christodoulides, G. (2022). Elite luxury experiences: customer and managerial perspectives. Journal of Marketing Management, 38, 1339 – 1368.

Oram, S., Fisher, H., Minnis, H., Seedat, S., Walby, S., Hegarty, K., Rouf, K., Angénieux, C., Callard, F., Chandra, P., Fazel, S., Garcia-Moreno, C., Henderson, M., Howarth, E., MacMillan, H., Murray, L., Othman, S., Robotham, D., Rondon, M., Sweeney, A., Taggart, D., & Howard, L. (2022). The Lancet Psychiatry Commission on intimate partner violence and mental health: advancing mental health services, research, and policy.. The lancet. Psychiatry, 9 6, 487-524.

Rojeck, R. (2019). Wealth: The Ultra-High Net Worth Guide to Growing and Protecting Assets. **.

Bierman, A., Upenieks, L., Lee, Y., & Harmon, M. (2023). Consequences of Financial Strain for Psychological Distress among Older Adults: Examining the Explanatory Role of Multiple Components of the Self-Concept. Socius, 9.

De Smet, D., Mention, A., & Torkkeli, M. (2016). Involving High Net Worth Individuals (HNWI) for financial services innovation. Journal of Financial Services Marketing, 21, 226 – 239.

Nasir, A., Javed, U., Hagan, K., Chang, R., Kundi, H., Amin, Z., Butt, S., Al-Kindi, S., & Javed, Z. (2025). Social determinants of financial stress and association with psychological distress among young adults 18–26 years in the United States. Frontiers in Public Health, 12.

Luthar, S. (2003). The culture of affluence: psychological costs of material wealth.. Child development, 74 6, 1581-93.

Jewett, R., Kerr, G., & Tamminen, K. (2018). University sport retirement and athlete mental health: a narrative analysis. Qualitative Research in Sport, Exercise and Health, 11, 416 – 433.

Lang, D. (2020). Parenting and Family Diversity Issues. **.

Ng, I., & Shanks, T. (2020). Financial Challenges and Mental Health. Mental Health and Social Work.

Leban, M., Thomsen, T., Von Wallpach, S., & Voyer, B. (2020). Constructing Personas: How High-Net-Worth Social Media Influencers Reconcile Ethicality and Living a Luxury Lifestyle. Journal of Business Ethics, 169, 225 – 239.

Haslam, C., Lam, B., Yang, J., Steffens, N., Haslam, S., Cruwys, T., Boen, F., Mertens, N., Brandt, K., Wang, X., Mallett, C., & Fransen, K. (2021). When the final whistle blows: Social identity pathways support mental health and life satisfaction after retirement from competitive sport. Psychology of Sport and Exercise, 57, 102049.

De Groot, M., Mihalache, O., & Elfring, T. (2021). Toward a Theory of Family Social Capital in Wealthy Transgenerational Enterprise Families. Entrepreneurship Theory and Practice.

Kämpfen, F., Kohler, I., Ciancio, A., De Bruin, B., Maurer, J., & Kohler, H. (2020). Predictors of mental health during the Covid-19 pandemic in the US: Role of economic concerns, health worries and social distancing. PLoS ONE, 15.

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